Geschichte des Fußballs

Vom Beginn bis zum 19. Jahrhundert

Das moderne Fußballspiel ist noch nicht ganz 120 Jahre alt. Dennoch beherrschen die Menschen schon seit einigen tausend Jahren die Kunst, den Ball mit dem Fuße zu spielen. Von einer Reihe von Völkern und Kulturen, zum Teil sogar aus der Zeit vor Christus, sind schriftliche Zeugnisse wahrer Ballspielleidenschaft überliefert. Aus alten Grabzeichnungen kann man ersehen, daß in Ägypten bereits 2000 Jahre vor Christus der Ball mit dem Fuß gestoßen wurde.
Ganz exakt überliefert ist das Regelwerk des Ts´uh Küh. Es wurde etwa im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung von den Soldaten des chinesischen Kaisers gespielt. Als Ball wurde eine mit Federn und Haaren gefüllte Lederkugel benutzt. Sie mußte auf Körbe, ähnlich unseren heutigen Basketballkörben, mit dem Fuß gespielt werden. In Japan wird 500 bis 600 Jahre nach Christus erstmals das „Kemari“ beschrieben. Es wird noch heute bei kultigen Anlässen in Japan gespielt. Der Ball wird als Symbol für die Sonne in spielerischer Form verehrt. Die Spieler stehen dabei im Kreis und versuchen, den Ball mit dem Fuß kunstvoll in der Luft zu halten.
Natürlich gab es auch im alten Griechenland und im römischen Weltreich fußballähnliche Spiele. Von den Griechen ist das „Episkyros“, von den Römern das „Harpastum“ und das „Calcio“ überliefert. Im Rahmen ihrer Feldzüge brachten die Römer diese Spiele sicher auch nach Britannien mit. Im heutigen England und Schottland entwickelte sich zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert eine ungeheuere Spielleidenschaft. Dort wurden rauhe, zum Teil ungeregelte Spiele zwischen ganzen Dörfern und kleinen Städten gespielt. Der Ball wurde dabei über Straßen und Plätze, querfeldein geworfen und mit dem Fuß geschlagen. Die Spielleidenschaft war so groß, daß die Jugend Arbeit und Lernen vernachlässigte, so daß im 14. und 15. Jahrhundert mehrmals durch den Bürgermeister von London und durch englische und schottische Könige Verbote gegen den „nutzlosen“ Fußballsport ausgesprochen wurden. Die Entwicklung des Fußballsportes in England und Schottland konnte dadurch, wie das nachfolgende Kapitel zeigt, allerdings keinesfalls gestoppt werden.


Entwicklung im 19. Jahrhundert

Während die frühgeschichtlichen Vorstufen und Entwicklungsphasen des modernen Fußballspiels zum größten Teil nur ungenau überliefert sind, kann die „Neuzeit des Spiels“ geradezu minutiös beschrieben werden.
Die Wiege des heutigen Fußballsports steht in England. An den bekannten englischen „Public Schools“ wurden eine Vielzahl fußballähnlicher Spiele entwickelt und in den Dienst der Erziehung gestellt. Bekannt waren die Schulen in Eton, Harrow, Winchester und vor allem in Rugby, wo Dr. Thomas Arnold 1846 erste verbindliche Regeln schuf. In Rugby durfte der Gegner in rauher Weise attackiert und der Ball mit der Hand getragen werden. In anderen Schulen dagegen war nur das Stoppen mit der Hand erlaubt. Die noch mäßig entwickelten technischen Fertigkeiten machten dies nötig. Nach langen Diskussionen und hitzigen Auseinandersetzungen gründeten am 26. Oktober 1863 elf Londoner Clubs und Schulen in der „Free Mason´s Tovern“ die Football Association, den ersten Fußballverband der Welt. Am 8. Dezember 1863 schließlich kam es zum endgültigen Bruch mit den Rugby-Vertretern, die einen eigenen Verband gründeten. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich das Spiel geradezu stürmisch weiter: 1871 wetteiferten bereits 50 Clubs in England um die Pokalmeisterschaft.
1872 traten England und Schottland im ersten Fußball-Länderkampf gegeneinander an. 1882 wurde die „International Board“ gegründet, die auch heute noch als oberste Regelbehörde alle strittigen Regelfragen entscheidet. 1885 bereits wurde in England der Profifußball legalisiert. 1889 wurden in Holland und in Dänemark die ersten außerbritischen Landesverbände gegründet, nachdem 1873 bereits der Schottische Verband, 1875 der Verband von Wales und 1880 der Irische Verband entstanden waren. Am 28. Januar 1900 wurde der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in Leipzig als Dachverband für damals nur 86 Vereine gegründet.